In verschiedenen Techniken der Malerei versuche ich,

Raum, Figur und Licht

der Inneren und Äusseren Welt festzuhalten.
Das Gesehene sicht-  und spürbar zu machen ist meine

Obsession

atelier 2012

Liebe zur Natur und zum Luzerner Hinterland

von Monika Fischer

Ob meditativ oder wild, gegenständlich oder abstrakt, gross- oder kleinformatig: Die Aquarelle und Ölbilder von Kurt F. Hunkeler erzählen Geschichten aus seinem bewegten Leben.

Vor dem über 100-jährigen Bauernhaus im Feld 14 in Schötz biegen sich die verwitterten Platten des alten Holztisches. Wellenförmig heben sich die Sitzblätter vom Rahmen der Stühle ab. Für Kurt F. Hunkeler sind Tisch und Stühle Teil der Installation einer Ausstellung. Er hat die Möbel im Hinblick auf Bewegung und Veränderung dem Regen, Wind, Sonne und Schnee ausgesetzt. Rauminstallation ist auch das netzartige Holzgeflecht. Es dehnt sich vor dem Haus wie ein Vordach aus und zieht sich durchs ganze Haus. Für den Künstler ist es zum einen Abgrenzung zu den privaten Räumen. Zum andern ein Bild für das Universum, indem sich die geworfenen Bogen gleich den Meridianen zu einem Raster aufbauen. Im Gegensatz zu allem Starren liebt er die Weichheit, Flexibilität und Bewegung der geworfenen Bogen.

Für den am 30. Juni 1968 geborenen und auf dem Esch in Ebersecken aufgewachsenen Kurt F. Hunkeler ist das Luzerner Hinterland «der schönste Platz auf der Welt, mein Daheim». Er schwärmt von den Hügeln rund um den Napf, den verschlungenen Bächen, den tiefen Wäldchen: «Nirgends sonst habe ich einen Himmel mit einem so wunderschönen, klaren Blau gesehen wie hier. Ich kenne keinen andern Ort mit einem derart saftigen Grün und so ausgeprägten Jahreszeiten. Die Vielfalt der Natur ist sagenhaft, wenn man sie walten lässt und sorgfältig mit ihr umgeht! » Zu Fuss oder mit dem Velo zieht er deshalb so oft er kann mit seiner Staffelei los und hält Ausschnitte dieser Umgebung mit dem Pinsel fest. Entstanden ist so eine Vielzahl von tagebuchartigen Aquarellen in kräftigen Farben. Jedes Bild hat seine eigene Geschichte, berichtet von der Weite auf dem Bodenberg, dem kleinen Weiher in Richenthal, der Wigger in Schötz,  der  Wigger bei Altishofen und den Altishofer Wald bei der Pünte im Herbst. Das Zeichnen und Malen gehört untrennbar zu seinem Leben. Wenn die Geschwister Skifahren gingen, sass Kurt F. Hunkeler als Kind neben der bügelnden Mutter und zeichnete und malte stundenlang. «Ich konnte dabei meine blühende Fantasie ausdrücken, lebte mit den Cowboys, den Indianern. Noch heute kenne ich die Geschichten in meinen Kinderzeichnungen.»

Die Motive seiner frühen Zeichnungen beschäftigen ihn noch jetzt, wenn auch auf andere Art. Sie sensibilisierten ihn zum Beispiel für die Problematik der Indianer und für die in unserer Gegend stark verankerten Sagen und Mythen. Er möchte hinter die Erscheinungen der Welt in die Tiefe schauen und sie in ihrer Gesamtheit erfassen. Ihn interessiert das uralte Wissen im Heutigen. Dazu gehören Tradition und Brauchtum der heidnischen Kelten, die teilweise ins Christentum eingeflossen sind und bis heute in der Region gepflegt werden. Die Schöpfungsmythen beschäftigen ihn ebenso wie das Alte Testament und religiöse Fragen. Er bewundert Leute, die sich in jungen Jahren für ein religiöses Leben entscheiden und dieses dann auch mit Herzblut leben. «Sie zeigen uns, was Menschsein ist.» Dies sagt er im Hinblick auf einen Onkel, der als Bruder in einem Kloster lebt.

Sein eigenes Leben verlief alles andere als gradlinig. Zwar hatten die Professoren im Vorkurs an der Kunstgewerbeschule Luzern sein künstlerisches Talent erkannt. Ohne Matura war jedoch ein Studium in der Freien Gestaltung nicht möglich. Man riet ihm, eine Lehre zu machen und daneben an seiner Mappe weiter zu schaffen. Kurt F. Hunkeler arbeitete als Schreinergehilfe für einen Mindestlohn; er deckte Dächer, arbeitete auf dem Bau, in der Fabrik. Mit der Lohnarbeit kam er wirtschaftlich einigermassen über die Runden. Daneben malte und gestaltete er so viel wie möglich.

Seit er denken kann, hatte er manches am gesellschaftlichen Leben in Frage gestellt. Auf der Suche nach Autonomie lebte er von der Hand in den Mund und einige Zeit gar auf der Strasse. Er übernachtete in Zügen, Kellereingängen, Garagen, in einem ehemaligen Weichenschalthäuschen inmitten von Schrebergärten und «fühlte sich unsagbar frei».

An der freien Schule für Gestaltung in Olten durchlief er ein vierjähriges Studium und arbeitete daneben als Lehrerhilfe an einer Heilpädagogischen Tagesschule. Der Versuch, die sozialtherapeutische Arbeit mit der Kunst zu verbinden, misslang wegen der fehlenden schulischen Abschlüsse. So hängte er die Kunst einmal mehr an den Nagel und arbeitete auf dem Bau.  Vor ein paar Jahren konnte er in der Kunst Fuss fassen. Der Erfolg der Ausstellungen in Zell, Schötz und Willisau sowie der Auftrag, für Wandmalereien in einem Hotelprojekt auf der Dominikanischen Republik gaben ihm die nötige Bestätigung.

Was ihn beschäftigt, drückt Kurt F. Hunkeler in seinen Bildern aus. Die «Wilde Serie», abstrakte Acrylbilder, sind eigentliche Lebensgeschichten. Er malt die mehrteiligen Serien intuitiv mit beiden Händen aus seinem Innern heraus. Gleichzeitig sind sie das Ergebnis eines längeren Prozesses vom Rahmenbau übers Grundieren bis hin zum fertigen Bild. Aus dem Innern heraus entstanden sind ebenfalls die grossformatigen meditativen Temperas  zu den Schöpfungsmythen. «Aus Energien entsteht Körperlichkeit.» Mit diesen Worten zeigt er auf, wie für ihn beim längeren Hinschauen aus einem wild und chaotisch gemalten Hintergrund Körper und Gesichter herauswachsen, sodass er sie nur noch herausarbeiten muss. Auf diese Weise ist zum Beispiel die Serie der «göttlichen Weiber» in Öl entstanden. Im klassischen Stil gemalt sind im Gegensatz dazu die verschiedenen Porträts, die er teilweise als Auftragsarbeiten gerne ausführt.

Die Aquarelle mit Ausschnitten aus seiner Umgebung zeigen die Einzigartigkeit und Schönheit dieser Region auf und sind Ausdruck seiner Liebe zum Luzerner Hinterland, wo er sich daheim fühlt. Nach den massiven Eingriffen in die Natur der letzten Jahrzehnte freut ihn das neu erwachte Bewusstsein für einen sorgfältigen Umgang mit der Natur auch in der Landwirtschaft. Persönlich möchte er gegenüber der Natur, dem eigenen Körper und den Mitmenschen möglichst verantwortungsvoll handeln.